Personalratsversammlung im SaarForst Landesbetrieb

Fast alle der 180 im SaarForst Landesbetrieb (SFL) Beschäftigten folgten der Einladung des Personalrates am 26.11.2014 zur Personalratsversammlung nach Riegelsberg. Auch der saarländische Minister für Umwelt, Herr Reinhold Jost und sein Staatsekretär Herrn Roland Krämer sind der Einladung gefolgt. Zu Beginn und nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Personalrates (PR) Herrn Fred Koch ging dieser direkt auf die Fakten und Zahlen des SFL ein. Wie zu erwarten waren die Zahlen nicht sehr aufbauend. Wie bereits im letzten Jahr festgestellt und angekündigt gehen die Mitarbeiterzahlen im Betrieb durch die Wiederbesetzungssperre zurück. Momentan beschäftigt der Betrieb mit Stand November 2014 noch 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Altersdurchschnitt liegt im Höheren Dienst bei 57,1 Jahre, im Gehobenen Dienst bei 49,8 Jahren; nur acht Revierleiter, -innen sind im Alter unter 45 Jahre. Bei den Forstwirten, -innen und Forstwirtschaftsmeistern sieht es nicht viel anders aus. Der Altersdurchschnitt bei den noch 102 Mitarbeitern liegt hier bei 44,4 Jahr. 20 der Forstwirte sind nicht mehr in der Holzernte einsetzbar. Auch bei den Revierleitern bedeutet ein Ausfall einer Kollegin oder eines Kollegen zusätzlichen Arbeitsaufwand und Stress, ohne das ein Revier komplett stillgelegt werden muss. Ausfälle durch Stresskrankheitssymptome steigen an. Auch eine frühzeitige und sichere Übernahme der fertigen Auszubildenden Forstwirte, -innen ist noch nicht sicher. Der PR – Vorsitzende hofft, dass bald eine Übernahme der Zeitverträge geschieht und 80% übernommen werden, um zumindest kleine Lücken zu füllen. Fred Koch stellt klar und deutlich fest, dass der Betrieb immer schwieriger zu organisieren ist und gewisse Aufgaben von SFL nicht mehr geleistet werden können. Z.B. die Beseitigung von Müll im Wald oder Einhaltung der Qualitätsanforderung des FSC Zertifikates. Das kürzlich verabschiedete Sonderinvestitionsprogramm für den Betrieb lobte Koch.

Der Umweltminister Herr Reinhold Jost übernahm das Mikrofon und begann damit, dass er nicht, so wörtlich „mit Angst hierhergekommen ist, sondern mit Dank an den Landesbetrieb und die forstlichen Berufsverbände“. Der Druck auf den Betrieb werde durch die Personalreform aus 2005 größer und der Betrieb wurde mit der Reform 2011 neu ausgerichtet. Nun sei es wichtig den Betrieb in ein gutes Fahrwasser zu bringen. Hierbei sehe er momentan gute Chancen und Ansätze, da er in ständigen Gesprächen mit SFL Betriebsleitung und Mitarbeitern ist und sie Probleme angehen und bearbeiten. Hierbei betonte Jost, dass SFL nicht irgendein Betrieb im Land sei, sondern er ihm eine sehr wichtige Rolle zuweist. Denn die Wertigkeit des Betriebes sei durch seine Kernkompetenz Wald sehr hoch. Er ist es leid, dass SFL schlecht behandelt wird. Es soll wieder mehr auf die Wertschöpfung und die Vorteile des Betriebes geachtet werden. Die Gesellschaft habe dies schon lange erkannt. Wie sensibel und brisant das Thema Wald sein kann, veranschaulichte Jost am Beispiel des neuen saarländischen Waldgesetzes. Auch die wirtschaftliche Nutzung von Holz unterstrich er und wies auf die Sensibilität und Professionalität des Betriebs in Bezug auf die Holzgewinnung hin. Nicht ohne Grund ist der SFL vom NABU für seine vorbildliche Waldbewirtschaftung ausgezeichnet worden und behält auch für das kommende Jahr die FSC und PEFC Zertifikate. In naher Zukunft werden Lösungen in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium und dem SFL gefunden werden müssen. Unter anderem soll ein zuverlässiger Personalkorridor geschaffen werden, „dass hätte der Wald verdient“. Neue Felder müssen erschlossen werden: Thema Windenergie. Und neue Förderprogramme für Fachpersonal sollen geschaffen werden. Die neu aufgelegte SaarForst Broschüre „Sagen sie mal liebe Forstleute, was passiert da eigentlich im Wald“ lobte Jost als eine gelungene Sache. Auch der neue Nationalpark sei eine große Chance für den Betrieb, um für sich Werbung zu machen. Das Sonderinvestitionsprogramm über 1,3 Mio Euro sei notwendig und wichtig, denn wenn schon wenig Mitarbeiter, -innen, dann sollen diese zumindest gut ausgestattet sein. Fortan ist und bleibt Jost in Gesprächen mit dem Finanzminister, um den Betrieb zu Stärken. Zum Ende lobte er den Betrieb mit seiner „herausragenden Mannschaft“ und hofft, dass die Qualität und die Motivation erhalten bleiben, denn die sei sehr wichtig.

Der Betriebsleiter des SFL, Herr Hans Albert Letter, begann mit den Zahlen des Personals im Betrieb, welche sich von Kochs Ausführung kaum unterschieden. Er erwähnte aber noch den geringen Frauenanteil im Betrieb. Durch die Haushaltssperre des Landes ist SFL stark betroffen und es fallen u. U. geplante Einnahmen durch den dadurch entstehenden Personalausfall aus. Er bemängelte, dass neue Kollegen nicht eingearbeitet werden können, sondern sie umgehend mit dem laufenden Geschäft zu tun haben und dies nicht sehr einfach sei. Die bisher sechs Geschäftsbereiche des Betriebes werden auf zukünftig vier geschrumpft, sowie werden aus den jetzigen 32 Revieren 28 Reviere gebildet. Die wenig verbleibenden Forstwirte, -innen sollten hauptsächlich nur noch verstärkt in der Jungwaldpflege und der Starkholzernte arbeiten. Auswertungen der Arbeitsgruppe Betriebsanalyse habe gezeigt, dass der Unternehmereinsatz auf momentan 70% angestiegen ist. Wichtig sei in Zukunft, dass man in Gesprächen zwischen dem Ministerium und dem Personalrat bis 2030 analysiert, was der Betrieb überhaupt noch leisten kann. Die bewilligten Sachmittel seien für den Betrieb eine große Hilfe gewesen. Die neue gestellte PSA der Forstwirte, -innen zeigen ein gutes und professionelles Bild des Betriebes. Die Arbeitssicherheit der Forstwirte, -innen habe die erste Priorität, daher wurden in 2014 auch diverse Schulungen zur Arbeitssicherheit, Verkehrssicherung, 1. Hilfe und Qualitätssicherung in der Holzernte durchgeführt. In 2013 wurden 16 meldepflichtige Unfälle registriert. 2014 sind es bisher 17. 2013 war das Jahr der Nachhaltigkeit und Letter wies darauf hin, dass auch das Personal damit gemeint sei. Die Hausaufgaben bezüglich des neuen Nationalparks sein von SFL gemacht. Dabei sind 900 ha komplett aus der Nutzung genommen worden und es wurde eine sogenannte Pflegezone für den Brennholzbedarf der Bevölkerung eingerichtet. Momentan, so Letter, wäre das Thema Tourismus mit entsprechenden Akteuren aktuell. Höhepunkt des diesjährigen Arbeitskreises Öffentlichkeit ist der „Tag der Waldwirtschaft“. Hier werden dem Interessierten Bürger mit Unterstützung von 50 SFL Mitarbeitern, -innen und dem Saarländischen Unternehmerverband an über 25 Stationen Themen rund um den Wald nahe gebracht.

Als nächster Redner folgte unser BDF Vorsitzender und Revierleiter Urban Backes. Er begann damit den Minister, welcher leider bereits die Veranstaltung verlassen hatte, zu loben, dass er sehr gut auf diesen Tag vorbereitet gewesen sei. Anhand anschaulicher Fotos mit Negativbeispielen globaler Forstwirtschaft wie riesigen Kahlschlägen und brutalen Verwüstungen lieferte er stichhaltige Argumente für die Unverzichtbarkeit der Waldbewirtschaftung in Deutschland und unterstrich damit das klare Bekenntnis des Ministers zu einer Waldbewirtschaftung auf unserem Niveau. Backes sagte, dass im Saarland ca. 2300 km Waldwege durch die Forstwirtschaft unterhalten werden und der Bevölkerung für ihre Erholung und Freizeit zur Verfügung stehen. Seit Jahren erwirtschaftet der Betrieb ein positives Betriebsergebnis und hielte sich an strenge Waldbewirtschaftungsrichtlinien. Nabu und BFN haben Saarforst als ökologisch vorbildlich arbeitenden Betrieb ausgezeichnet. Damit solle man ruhig etwas mehr „strunzen“ gehen. SFL hat seit 1990 mehr als 60% seines Personals abgebaut, sämtliches Rationalisierungspotenial ausgereizt und überreizt und die Sparvorgaben der Landesregierung weit übererfüllt. Wollen wir unsere Standards halten, ist die PERSONALUNTERGRENZE längst unterschritten. Um gleitende Übergänge in den Stellen zu schaffen muss verstärkt eingestellt werden, wie man in RLP bereits erkannt hat. Dabei hat der Run auf das nur begrenzt vorhandene Forstfachpersonal längst begonnen.

Bei der Reform 2011 wurde ein weitreichendes Betriebsziel erarbeitet und von allen Landtagsfraktionen mitgetragen. Unter anderem wurde eine praktikable Reviergröße von 1500 ha festgeschrieben, ein Unternehmeranteil von 40% angestrebt, eine verstärkte Holznutzung sowie die Schaffung neuer Arbeitsverhältnisse beschlossen. Wir haben diese Zielsetzung sehr ernst genommen und waren damit wohl die Einzigen im Land. Nach nur drei Jahren werden alle Ziele über Bord geworfen, ja man hat nicht einmal versucht sie um zu setzen. Was soll man noch glauben, wenn nicht einmal das stimmt was alle gemeinsam beschließen?

Das merke auch der Bürger und dieser lässt seinen Unmut bei uns im Wald ab. „Wir werden nicht mehr ernst genommen vom Bürger“, so Backes. Das Vertrauen könne man nur über Verlässlichkeit wieder herstellen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer sei der Tag der Waldwirtschaft. „Wir alle lechzen nach einem positiven Feedback!“ Trotz eines enormen Arbeitspensums sind viele Bereit über ihr soll hier ihren Beitrag zu leisten. Leider, so Backes, habe er die Hoffnung, dass der Betrieb zur alten Stärke wieder empor kommt, leicht aufgegeben.

M. Weber

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